Mittwoch, 20. Juli 2016

Rezension des Buches Drogen und Straßenverkehr



Drogen und Straßenverkehr, Von Michael Hettenbach/ Volker Kalus/ Manfred R. Möller/ Michael Pießkalla/ Axel Uhle, 3. Auflage 2016, Deutscher Anwalt Verlag, Bonn, 752 S., gebunden, EUR 59,00, ISBN 978-3-8240-1386-9


Nach der aktuellen Jahresstatistik der Bundesanstalt für Straßenwesen über die Begutachtungen der Fahreignung im Jahr 2014 stieg der Anteil der medizinisch-psychologisch begutachteten Personen

aus der Anlassgruppe Betäubungsmittel- und Medikamentenauffällige von absolut 11.194 im Jahr 2003 begutachteten Personen auf 16.751 im Jahr 2014 an, was inzwischen einem Anteil von 23 % an den gesamten Begutachtungen entspricht. Diese Steigerungsrate steht in direktem Zusammenhang mit dem bundesweit weiterhin enormen Anstieg polizeilich entdeckter Fahrten durch drogenbeeinflusste Kraftfahrzeugführer, die im Jahr 2014 nach Auskunft des Kraftfahrt-Bundesamtes 35.800 drogenbeeinflusste Fahrer umfasste. Vermittelt durch diese wenigen Zahlen wird die Brisanz der Problematik deutlich, der sich die fünf namhaften Autoren widmen. Ihr Ansatz ist es, das breite Themengebiet der Drogen im Straßenverkehr derart aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, dass sich dadurch eine Gesamtsicht auf ein verkehrsrechtliches Problem großer Tragweite ergibt. Dies gelingt den Autoren glänzend.

Die beiden Rechtsanwälte Hettenbach und Pießkalla beleuchten das Straf- und Ordnungswidrigkeitenrecht und der Verwaltungspraktiker Volker Kalus widmet sich den verwaltungsrechtlichen Aspekten. Damit sind diese beiden Rechtsgebiete in der fachlichen Bearbeitung bestens vertreten. Aus polizeilicher Sicht wichtig sind insbesondere Buchteile wie „Polizeiliche Maßnahmen gegen Drogen im Straßenverkehr" (S. 40 ff.) mit dem praxisnahen Unterkapitel „Befragung und polizeiliche Vernehmung" (S. 44 ff.) sowie die Pflichtmitteilung der Polizei über Fahreignungsmängel gem. § 2 Abs. 12 StVG an die Fahrerlaubnisbehörde, wo sich Kalus u. a. der Auffassung des Rezensenten dieses Buches anschließt, diese Pflicht auf alle Institutionen mit polizeilichen Aufgaben im Straßenverkehr auszudehnen (S. 197).

Neben diese drei Autoren tritt mit dem Toxikologen Manfred Möller das fachliche Schwergewicht dieses Handbuches, der die verkehrsmedizinisch-toxikologischen Zusammenhänge fachlich beleuchtet und den Lesern behutsam, aber dezidiert problemorientiert erklärt (S. 333 ff.). Ergänzt wird dieses fachlich beachtliche Autorenteam durch den Verkehrspsychologen Axel Uhle, dessen Aufgabe es ist, die fahreignungsrelevanten Hintergründe zu erläutern und damit das Thema fachlich abzurunden, was ihm auf eine hervorragende Weise gelingt (S. 471 ff.).

Durch die fachlich fundierten und wissenschaftlich wie auch über die einschlägige Rechtsprechung aktuell belegten Erkenntnisse dieser vier Einzelbetrachtungen der fünf Autoren ergibt sich in der Tat ein facettenreiches Gesamtbild, das geeignet ist, die Problematik eindrucksvoll in den Mittelpunkt des Leserinteresses zu rücken. Fachlich spricht das Werk, das eigentlich vier profunde Bücher in einem Kompendium zusammenfasst, die Leser aus den bereits durch die vier von den Autoren repräsentierten Berufsgruppen an. Im Grunde fehlt zur vollständigen Abrundung des Werkes nur noch ein Autor aus dem Polizeibereich. Weitere Leser wird das nunmehr in dritter Auflage vorgelegte und damit von den Lesern gut angenommenen Buch auch in Gerichten, Bußgeldbehörden, den Länderpolizeien sowie in Bundespolizei, Zolldienst und Aus- und Fortbildungseinrichtungen aller angesprochenen Behörden und Institutionen gewinnen. Alle Leserkreise werden aus dem vorliegenden Werk zahlreiche neue Informationen schöpfen können, die, von den Autoren und dem Lektorat des renommierten Verlages gut aufbereitet, für den täglichen Berufsalltag direkt genutzt werden können. Was will man von einem Kompendium wie diesem, das auf dem Buchmarkt für die bearbeitete Thematik fraglos das fachlich führende Werk darstellt, mehr verlangen ?

Prof. Dr. Dieter Müller, Bautzen

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